Falk

Falk Galor

Falk, mit kompletten Namen Falk Galor, wurde im Jahre 1003 BF im kleinen Dörfchen Niederauen in Weiden geboren. Sein Start in diese Welt stand unter keinem glücklichen Stern. Seine Mutter, Holdwine, die Tochter des Büttels Ugo Altingen aus Niederauen verstarb bei seiner Geburt. Über seinen Vater, Yann, wusste er zunächst nichts, nur, dass er fast immer mit den Viehherden diverser Rinderbarone unterwegs war. An den wenigen Tagen an denen Yann in Niederauen weilte, zeigte er kein Interesse an seinem Sohn. Ohne Mutter und mit quasi unbekanntem Vater verbrachte er seine Kindheit zum Teil bei seinem Großvater Ugo, allein in den Wäldern Weidens und vor allem bei der Familie Galor. Um zig Ecken war Ugo mit dem alten Borckhardt Galor verwandt. So konnte er erreichen, dass die Galors Falk aufnahmen und adoptierten.

Die Familie Galor verdiente sich ihren Lebensunterhalt, indem sie irgendeiner längst vergessenen Tradition folgend die Jagdhelfer für den Leibjäger des Barons von Wolfenbinge, Rondrian von Blauenburg, in der Grafschaft Bärwalde stellte. Falk lernte daher schnell sich allein in der Wildnis zurechtzufinden. Von Vorteil waren ihm damals schon seine Sehschärfe und der ihm selbst oft unheimliche Sinn für die richtige Richtung. Bei einer größeren Jaggesellschaft muss er dann im Alter von etwa acht oder neun Jahren irgendwie mit einem Sohn eines an der Jagd beteiligten Ritters aneinander geraten sein. Die Prügelei endete unentschieden. Jeder hatte den anderen gepackt und ineinander verkeilt waren sie zu Boden gegangen. Der Waffenmeister des Barons war es schließlich, der die Kinder fand und trennte. Er musste erkannt haben, dass diese Angelegenheit nicht endgültig geregelt war. Später auf der Burg ließ er die Jungs also mit zwei Holzschwertern gegeneinander antreten. Vielleicht hatte er gehofft, dass es so schnell zu einem Ergebnis kommen würde und Falk an seinen Platz verwiesen würde. Zu aller Überraschung war Klein-Falk aber in der Lage, seinem Gegner die Stirn bieten zu können. Sicher, als Sohn eines Ritters hatte sein Gegenüber schon die Grundlagen des Schwertkampfes gelernt. Falk hingegen vertraute auf seine Instinkte. Immer wieder gelang es ihm, den lehrbuchmäßigen Attacken auszuweichen oder sie zu parieren. In der Offensive konnte er sich mit unorthodoxen Manövern Freiräume verschaffen und auch Treffer landen. Ein schmutziger, aber von der anwesenden Ritterschaft geflissentlich übersehener, Trick – der Wurf einer Handvoll Dreck in Falks Gesicht – verhalf dem Rittersprössling schließlich zum Sieg. Nach einer Woche war unter den Kindern der Burg daraus ein glänzender Sieg des Adels über das gemeine Volk geworden. Falk stand mit seiner Geschichte alleine. Die Kinder des Dorfes waren beim Kampf nicht dabei gewesen und die Kinder der Burg hatten kein Interesse daran, ihm beizustehen. Wer glaubte ihm schon, dass sein Gesicht nicht schon vor dem Kampf so schmutzig war? Er war doch nur der zugelaufene Sohn einer Familie von freien Hungerleidern.

Einzig der Waffenmeister hatte sein Talent erkannt. So heimlich wie möglich, um seinen Ruf und seine Stellung nicht zu verlieren, nahm er Falk hin und wieder zur Seite und brachte ihm flüchtig so viel wie möglich bei. Da weder Falks Stand, noch seine Barschaft für ein vernünftiges Schwert oder einen Lehrmeister reichten, lag dieses Talent meistens brach. Erst seit dem Falk erwachsen ist, ist es ihm gelungen ein Schwert aufzutreiben und sich regelmäßig im Schwertkampf zu üben. Der Meinung seiner Lehrer in Donnerbach und in, man glaubt es kaum, Gareth nach, macht er stetig Fortschritte. Großen Eindruck machten auf Falk neben besagtem Waffenmeister auch die weidener Grenzjäger. Von diesen hörte er auch zum ersten Mal etwas von den Ereignissen in und um Dragenfeld, der heutigen Wüstenei. Falk hat in seiner Jugend nicht viel verstanden, aber das Wenige hat gereicht, um in ihm einen tiefen Hass auf das Böse an sich und auf diejenigen, die mit der göttlichen Ordnung, mit Dämonen oder mit dem Leben anderer Spielen, zu wecken. Obwohl Falk viele Menschen, die in Armut und Elend leben, kennt, ist er sich sicher, dass alle Menschen wichtig und kein einziger entbehrlich ist. Ausgenommen natürlich jene Hexen und üble Gesellen, deren Leben ohnehin nicht mehr den Göttern gehört…

Dass sich östlich seiner Heimat ein Landstrich etabliert hat, in dem das Böse an der Tagesordnung steht erfüllt ihn daher immer wieder aufs Neue mit Wut und Ohnmacht. Mit seinen Träumereien den herzoglichen Soldaten gen Osten zu folgen, selbst Grenzjäger zu werden, die Grenzen zu überwachen, Räuber zu jagen und die Welt zu retten, erntete er als Kind bei vielen seiner vermeintlichen Freunde nur Hohn und Spott. Zunächst verzweifelte er beinahe und ja, er heulte vor Wut, aber nach und nach weckte die Behandlung seiner „Freunde“ seinen Ehrgeiz.

Heute ist Falk „nur“ ein Kundschafter, ein Waldläufer. Aber ein verdammt guter! Falk hat in den letzten Jahren gelernt, dass er trotz seiner geringen Stellung und seiner unglücklichen Herkunft im Gefüge Deres eine Rolle spielt. Seine Taten zeigen Wirkung. Nicht viel, aber doch sichtbar. Nicht zuletzt wirken seine Taten auch auf ihn selbst zurück: Er hat neue Kleidung, eine Rüstung und ein scharfes Schwert. Vor allem hat er neue, wirkliche Freunde. Die Blicke, die man ihm zuwirft, sind nur noch selten abfällig und von oben herab. Teilweise erntet er sogar Anerkennung und Dank. Gerade der Dank ist neu für Falk und erfüllt ihn mit großer Freude. Natürlich lässt sich die Dankbarkeit seiner Landesherrin, die ihres Erben und der Geweihtenschaft aus Donnerbach nicht hoch genug einschätzen, doch auch das Lächeln der Kinder, deren Dorf er mit seinen Freunden vor den dunklen Wölfen schützte, ist ihm Dank und Auszeichnung. Auch wenn man diese Art von Dank nicht essen kann, sein Herz und meine Seele nehmen ihn auf und wachsen daran. Auch die Blicke der Schönheiten, die ihm unterwegs begegnen, lassen ihn nicht kalt.

Falk kann und wird niemals aufhören, den Schwachen zu helfen und das Böse, in welcher Form auch immer es sich zeigt, zu bekämpfen. Wenn er dies dann noch im Dienste seiner Heimat tun kann, dann ist dies für ihn ein umso größerer Ansporn. Noch sind seine Mittel gering. Vielleicht reicht aber eines Tages sein Ruf, um weitere junge Frauen und Männer für diese Aufgabe zu gewinnen. Vielleicht ist er eines Tages selbst ein Vorbild. Einer der der von ganz unten kam und bewiesen hat, was er Wert ist, der werden konnte, was er immer schon wollte. Einer dessen Erlebnisse flüsternd an Lagerfeuern erzählt werden. Kundschafter, Grenzjäger, Held,…

NOCH LANGE NICHT DAS ENDE